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    26. August 2026

    Wie krieg ich das Bein endlich lang?

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    Pekka

    4 Min. Lesezeit
    Wie krieg ich das Bein endlich lang?

    Gestern hatte ich eine Privatstunde bei Yanick Wyler in Zürich. Es tat richtig gut, nach langem solo Üben endlich mal wieder Feedback und Instruktion von jemandem zu kriegen, der um ein Vielfaches weiter ist, als ich es im Tango je sein werde. Und es war faszinierend, wie vieles von dem, was ich gestern in mühsamer Arbeit erarbeitete, fast identisch ist mit dem, was wir den Anfängerinnen und Anfängern in den Tangostunden erklären – im ersten, zweiten, und dritten Kurs.

    Zweitens hatte ich da wirklich blinde Flecken: wichtige Details, die ich nie präzise genug verstanden hatte. Drittens gab es Dinge, bei denen ich überzeugt bin, dass sie mir genau so beigebracht wurden, wie ich sie ausführe – und heute musste ich schlicht lernen, dass das falsch oder zumindest ineffizient ist. Und viertens habe ich richtig Neues gelernt, das mir wahnsinnig Spaß macht.

    Zur Analyse hatte ich Yanick schon im Vorfeld dieses Video geschickt:

    https://www.instagram.com/reel/DbIqpiesXcC/

    Wir identifizierten folgendes Verbesserungspotenzial :

    Ein oft zu gebeugtes abstoßendes Bein

    Manchmal unangebracht innenrotierte Hüften

    Zu stark („über“)geführte Ochos/Pivots

    Naja und noch ein paar Sachen

    Ich gehe hier nur auf den ersten von Yanick genannten Punkt ein: die nicht gestreckten Beine.

    Ein gutes, projiziertes, langes, gestrecktes, nicht überspanntes hinteres Bein. Genau so würde ich das mit Anfängern auch durchnehmen. Und dann stellte sich gestern heraus, dass ich genau dasselbe zu lernen habe! Das war ernüchternd, bereichernd – und erfüllt mich mit hoffnungsvoller Erwartung auf neue Veränderungen in meinem Tanz.

    Also: Es geht um die Position des hinteren Beines beim Abrollen während des Vorwärtsgehens (beziehungsweise um dieselbe Position des hinteren Beines während der Projektion im Rückwärtsgehen). Im Anfängerunterricht begegnet uns oft folgende Situation: Das Paar geht in der Umarmung los, die führende Person vorwärts, die folgende Person rückwärts. Ich nenne sie der Kürze wegen jetzt „er” und „sie”. Und dann steht er ihr, vorhersehbar, auf die Füße!

    An dieser Stelle kommt in der Lektion immer ein kleines Geheimnis für beide dran. Er lernt, besser anzuzeigen, was er führen will. Und sie lernt Folgendes: Wenn er dich nach hinten schickt, lass nie deinen Oberkörper nach hinten kippen – bleib damit sogar eher vorne, das heißt du wirst mit ein wenig Kraft aus deinem Standbein geben deinen Partner drücken. Projiziere ( = strecke, aber überstrecke nicht) dein freies Bein nach hinten, mit fast durchgestrecktem Knie und Sprunggelenk. Mach guten, bewussten Kontakt mit den Zehen zum Boden und rolle langsam über die Zehen und die Fußsohle darüber ab. Und stell einen Kontakt her von diesem rollenden Fuß bis in die Umarmung.

    Der letzte Satz ist für den Anfängerunterricht wahrscheinlich schon ein bisschen viel. Aber ungefähr so – und in ganz vielen Varianten davon – unterrichten wir das in der ersten, der zweiten, der dritten und auch noch in der zwanzigsten Stunde weiter.

    Jetzt zur heutigen Stunde:

    Beim Vorwärtsgehen ist es mit diesem hinteren Bein ja genau gleich. Wir kommen mit dem Gewicht auf das vordere Bein, hätten aber gerne noch möglichst viel Sicherheit – und die Möglichkeit, den Gewichtswechsel zwischen den Beinen zu kontrollieren oder auch in die Länge zu ziehen. Bekanntlich ereignet sich der Tango ja „zwischen” den Schritten, während der Gewichtswechsel. Ein hinteres Bein mit langem Sprung- und Kniegelenk gibt dazu den nötigen Bodenkontakt. Dadurch entsteht eine elegante Linie, die diese „Erdung” im Boden direkt in die Umarmung und über Brust und Arme in die Partnerin transportiert. Dazu befinden sich die Hüftgelenke tendenziell in Außenrotation – das gibt uns durch eine entspanntere Hüftgelenkskapsel einfach mehr Spiel für die Beine.

    Zur Illustration noch ein Bild aus dem obigen Video, auf dem man mein verkürztes hinteres Bein erkennen können sollte. Knie- und Sprunggelenk heben hinten „ungenutzt” ab – also ohne den gewünschten Bodenkontakt durch Streckung, ohne Projektion und damit ohne effizientes Abstoßen vom Boden – und begeben sich leicht zu früh in die Sammlung zum anderen Bein. Mein Gewicht sammelt sich früh vorne im Standbein und drängt auf ein „Fallen” in den nächsten Schritt. Oder es drückt auf Strukturen wie die Zehengelenke, die sich dadurch langfristig mit Schmerzen, Arthrose oder einem Hallux valgus bei mir melden könnten …

    Für ein Update zum Verlauf oder andere Infos braucht’s natürlich Kommentare :-) Also bis dahin – ich hab zu üben.

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