15. Oktober 2026
Umarmen tut gut, Tango tut besser

Pekka

Hier geht es um Argentinischen Tango, nicht um den Tango aus dem Standardtanz. Was die beiden unterscheidet, liest du in unserem Artikel zum Unterschied zwischen Argentinischem Tango und Standardtango.
Wann hast du zuletzt jemanden so richtig umarmt? Nicht das schnelle Schulterklopfen zur Begrüßung, sondern eine Umarmung, bei der du kurz alles andere vergisst?
Viele von uns bekommen im Alltag erstaunlich wenig Berührung ab. Wir arbeiten am Bildschirm, schreiben lieber Nachrichten als anzurufen, leben allein oder haben einfach zu viel um die Ohren. Dabei ist die Umarmung eines der einfachsten und wirksamsten Dinge, die wir uns gegenseitig schenken können.
Was eine Umarmung mit uns macht
- Sie beruhigt. Der Atem wird tiefer, der Herzschlag ruhiger, die Schultern sinken. Der Körper schaltet vom Alarm- in den Entspannungsmodus.
- Sie schafft Vertrauen. Beim Umarmen schüttet der Körper Oxytocin aus, oft Bindungs- oder Kuschelhormon genannt. Wir fühlen uns sicherer und verbundener.
- Sie hilft gegen Einsamkeit. Worte können trösten. Eine Umarmung sagt aber ohne Umwege: Du bist nicht allein.
- Sie hebt die Stimmung. Nach einer guten Umarmung sieht die Welt oft ein bisschen freundlicher aus.
- Sie verbindet ohne Worte. Wir spüren, wie es dem anderen geht, ohne dass jemand etwas erklären muss.
- Sie bringt uns zurück in den Körper. Wer umarmt, spürt nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst: den eigenen Brustkorb, die Arme, den Boden unter den Füßen.
Kurz gesagt: Eine Umarmung ist Medizin ohne Beipackzettel.
Im Tango bleibt die Umarmung nicht stehen
Im Argentinischen Tango heißt die Tanzhaltung Abrazo, auf Deutsch schlicht: Umarmung. Und genau das ist sie. Nur bleibt sie nicht stehen. Wir nehmen die Umarmung mit in die Bewegung, lassen sie über die Tanzfläche wandern und füllen sie mit Musik.
Ein Tango dauert etwa drei Minuten. Getanzt werden meist drei oder vier Stücke hintereinander mit derselben Person. Das sind zehn bis zwölf Minuten in einer Umarmung, in denen wir gemeinsam atmen, gehen, pausieren und auf die Musik reagieren.
Dabei lernen wir mehrere Dinge gleichzeitig:
- In der Umarmung bleiben, während wir uns dreidimensional durch den Raum bewegen. Dafür braucht es immer wieder Nachgeben, eine gewisse Elastizität in der Umarmung.
- In der Umarmung sein und dabei der eigenen Achse treu bleiben. Jede und jeder steht auf den eigenen Füßen, trägt sich selbst und zeigt Haltung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Und das mitten in der Nähe zum anderen.
- In der Umarmung bei unserer ganz eigenen Musik bleiben. Musikalität im Tango heißt, sich den eigenen inneren Bildern hinzugeben und sie dem Partner körperlich zu zeigen. Ein bisschen wie bei Scharade, wo man so lange gestikuliert, bis die anderen erraten, was gemeint ist. Inspiration gibt es dabei jederzeit: Tango steckt voller wunderschöner, romantischer und dramatischer Geschichten und Liedtexte, zum Beispiel die Liebesgeschichte hinter Gricel.
Nah sein und trotzdem bei sich bleiben
Kennst du das aus dem Alltag? Mit manchen Menschen passt du dich so sehr an, dass du dich selbst ein Stück verlierst. Bei anderen hältst du lieber Abstand, weil Nähe anstrengend wird. Beides kostet Kraft.
Im Tango übst du genau das, was dazwischen liegt: ganz nah beim anderen sein und dabei ganz bei dir bleiben. Du gibst Halt, ohne festzuhalten. Du lässt dich führen oder führst, ohne dich aufzugeben. Du hörst zu, mit dem ganzen Körper.
Unser Gehirn lernt durch das, was wir tun und wiederholen. Wenn wir uns im Tango bewusst mit der Frage beschäftigen, wie wir in einer Umarmung selbstständig bleiben, dann trainieren wir dieselben Muster, die wir auch im Zusammensein mit anderen Menschen brauchen: in der Partnerschaft, in der Familie, bei der Arbeit. Was wir auf der Tanzfläche üben, nehmen wir mit nach Hause.
So wächst beides gleichzeitig:
- Selbstsicherheit: Ich stehe, ich trage mich, ich darf Raum einnehmen.
- Verbindungsfähigkeit: Ich kann mich auf andere einlassen, ohne mich zu verlieren.
Und ganz nebenbei: Musik, Kraft und Haltung
Als wäre das nicht schon genug, bekommst du im Tango noch eine ganze Menge obendrauf:
- Wunderschöne Musik, die dich berührt, ob melancholisch, verspielt oder voller Energie.
- Kraft in den Beinen, weil du dich selbst trägst und jeden Schritt bewusst setzt.
- Ausdauer, denn ein Abend auf der Milonga ist auch ein ordentliches Training.
- Gleichgewicht, das dir auch im Alltag Sicherheit gibt.
- Aufrechte Haltung, die sich nicht steif anfühlt, sondern frei und offen.
Das alles passiert, während du einfach tanzt. Ohne Fitnessstudio, ohne Pflichtprogramm, dafür in guter Gesellschaft.
Probier es aus
Du musst nichts können, um anzufangen. Du brauchst keine Tanzerfahrung und kein besonderes Talent. Du brauchst nur ein bisschen Neugier und die Bereitschaft, dich auf eine Umarmung einzulassen.
Alle Anfängerkurse in Münster, bei Con Corazón, Tango Pasión, Tango in Münster und Tango El Beso, findest du auf einen Blick auf unserer Hauptseite.
Hinweis: Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.
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