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    28. August 2026

    Gricel, Teil 1: Die Liebesgeschichte

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    Pekka

    4 Min. Lesezeit
    Gricel, Teil 1: Die Liebesgeschichte
    Bild mit KI erstellt

    „Mi Noche Triste“: Dieses Lied begründete 1917 ein ganzes Genre: Tango Canción - gesungener Tango. So sollte ab jetzt Tango gesungen werden, wenn er nicht für Tanzpaare gespielt wurde. Der Sänger jener Aufnahme 1917 war Carlos Gardel und er begann dadurch einen kometenhaften Aufstieg zum Starsänger Südamerikas. Seine Stimme, sein Auftreten und seine Emotion definierten, was Tango war und ist. Zeitgenossen und nachfolgende Generationen bezogen sich auf ihn als Original, darunter z.B. Troilo, Di Sarli oder Ángel Vargas. Und Gardels „Partner“ am Anfang dieser Erfolgsgeschichte, der Dichter und Mitbegründer dieser Kunst, war Pascual Contursi. Dieser hatte einen Sohn, José Maria Contursi, der von seinem Vater das Interesse für den Tango, für seine Poesie und die Schreibkunst erbte, und ebenso das Flair fürs Drama in Mi Noche Triste (Klagelied auf eine verlorene Liebe). Als Mi Noche Triste entstand, war José Maria gerade mal 5 Jahre alt. Also, wir merken uns den Kleinen, und gehen von 1917 weitere drei Jahre in die Zukunft. 

    Hier begegnen wir Susana Gricel Viganó, geboren am 15. April 1920 in San Cristóbal, Buenos Aires. In Buenos Aires lernt sie auch ihre Kindheitsfreundinnen Nelly und Gory Omar kennen. Später zieht sie mit ihren Eltern nach Capilla del Monte in den Sierras von Córdoba, wo diese ein Hotel betreiben, und Gricel als Teenager mehrere Schönheitswettbewerbe gewinnt. Nelly und Gory sind Sängerinnen geworden und Nelly hat Erfolg im Tango. Für ein Vorsingen im Radio laden sie die 15-jährige Gricel nach Buenos Aires ein… 

    1935. Der inzwischen 24-jährige José María Contursi arbeitet als Locutor (Moderator) bei Radio Stentor. Er ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Das hindert ihn jedoch nicht, sein Leben als wichtige Tangopersönlichkeit und Bohemien zu genießen. Er hat zahlreiche Liebschaften, es sollte also Musen im Übefluss geben. Aber den dichterischen Durchbruch hat er noch nicht geschafft.

    Nun besuchen die Sängerinnen Nelly und Gory Omar das Studio für ihre Audition – und bringen ihre Freundin Gricel aus Córdoba mit. Für Contursi ist es ein „Flechazo“, Liebe auf den ersten Blick.

    Er und Gricel verbringen auch mehrere Tage und Wochen miteinander, spazieren, dinieren… und sympathische Gefühle bemächtigen sich auch Gricels. Sie kann aber nicht ewig in Buenos Aires bleiben, und ihre Eltern sind ganz entschieden gegen diesen unangebrachten Zeitvertreib ihrer 15-jährigen Tochter. Schlussendlich reist Gricel also wieder zurück und Contursi bleibt in Buenos Aires.

    Es vergehen drei Jahre und die zwei vergessen sich nicht ganz. Gricel gewinnt weiter die lokalen Schönheitswettbewerbe, Contursi schafft noch immer nicht den Durchbruch. 

    1938 soll Contursi aufgrund einer Erkrankung gemäß ärztlichem Rat in die Höhenluft nach Córdoba. Er bucht durch des Zufalls sichere Fügung ein Zimmer in Capilla del Monte im Hotel von Gricels Familie. Die zwei spazieren und dinieren hemmungslos weiter, und aus der Begegnung wird eine noch größere Liebe. 

    Contursis Jaunars-Erkrankung mit Gricel-Kur wiederholt sich noch zweimal: 1939 und 1940. Zu diesem Zeitpunkt schieben Gricels Eltern endgültig den Riegel vor, oder Contursi entscheidet sich doch, zu seiner Frau mit wachsender Familie zurückzukehren und nicht mehr nach Capilla zu reisen (oder der Arzt macht nicht mehr mit… wir wissen es nicht ganz genau).

    Aber jetzt geht’s los: Von Buenos Aires aus schickt Contursi Briefe voller Traurigkeit. Von Capilla del Monte antwortet Gricel eher trocken und zurückhaltend. Contursi verarbeitet sein Leiden weiter auch in poetischer Form für Tangotexte. Als Erstes entsteht 1941 aus diesen „Gricel-Tangos“ „En Esta Tarde Gris“. Contursi geht mit dem Text zu Mariano Mores, der die Musik dazu komponiert. Die Aufnahme von Troilo mit Fiorentino kommt besonders gut an (dieser „Gricel-Tango“ entsteht also noch vor der Zeitenwende des Stücks „Malena“ Anfang 1942, und weist die entsprechende Rhythmizität auf). Und dann, gegen Ende 1942 wird auch „Gricel“ von Troilo mit Fiorentino aufgenommen, und es wird ein absoluter Hit. Gricel wird im Dorf darauf angesprochen, das sei doch sie, in dem Lied. Aber in Buenos Aires, zuhause bei Contursis bleibt das Geheimnis sicher gehütet. Man glaubt an eine fiktive Liebesgeschichte, die die Inspiration zum Hit geliefert hat.

    Die Geschichte hat eine Fortsetzung, die man sich nicht ausdenken könnte. Contursi verwitwet um 1960 und versinkt im Alkohol in der berühmten Confitería del Molino in Buenos Aires. Gricel, inzwischen von ihrem eigenen Mann verlassen, erfährt 1962 durch den Bandoneonisten Ciriaco Ortiz von Contursis Zustand – und nimmt den Bus nach Buenos Aires. 

    1967 heiraten sie kirchlich in Capilla del Monte. Er ist 56, sie 47. Beim Wiedersehen schreibt Contursi einen weiteren Tango: Otra vez Gricel. Das Eheglück dauert knapp fünf Jahre – Contursi stirbt am 11. Mai 1972. Gricel überlebt ihn um über zwei Jahrzehnte und stirbt am 25. Juli 1994.

    Das Bild oben ist ein durch KI „geschärftes“ historisches Foto von Contursi und Gricel in Córdoba.

    Mi noche triste:

    https://open.spotify.com/track/3JtdYrnfJda8dIiZ6RAfGy?si=UwGuLY8QQKiL3c41pPGOlQ&utm_source=copy-link

    En esta tarde gris:

    https://open.spotify.com/track/4sYO3DKxEhUdcXoSsQ5mLf?si=6IapEHWPRUuA0ylGVz93Jg&utm_source=copy-link

    Gricel:

    https://open.spotify.com/track/1RnaSu1V2YnF1K1HW8jXwf?si=C3B4GIrETJKeZpIiY3bTPA&utm_source=copy-link

    Hinweis: Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.

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