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    Tango lernen · Lektion 2

    Die Umarmung

    Die Grundform

    Wir umarmen uns herzlich, wie gute Freunde bei der Begrüßung. Aus dieser Herzlichkeit heraus lassen wir uns auf einer Seite – der linken des Leaders, der rechten des Followers – auseinanderkommen, gerade so weit, dass wir uns dort mit den Händen fassen können. Die Form dieser Seite findest du wie folgt: Von der Seite betrachtet sehen die Arme wie ein gleichmäßiges „W“ aus, die Hände auf Schulterhöhe und zentriert zwischen den Körpern. Die Handfläche des Leaders zeigt wie ein Spiegel auf das Gesicht des Followers. Die andere Seite bleibt „geschlossen“ und nah.

    Das Dreieck

    Von der Seite betrachtet ist die Tango-Umarmung ein Dreieck mit der Basis unten und der Spitze oben: Die Füße stehen etwas voneinander entfernt, und nach oben hin kommen die Oberkörper zueinander, bis sie sich im Brustkontakt finden. (Im Standardtango ist es genau umgekehrt: Dort stehen die Füße als Spitze eng zusammen, und die Partner stehen oben breit auseinander. Falls du aus dem Standardtanz kommst, braucht es hier ein wenig Umgewöhnung, um den Kontakt zum Partner tatsächlich herzustellen.)

    Haltung und Nähe

    Du erinnerst dich, dass wir für die Haltung das Gewicht leicht nach vorne brachten und den Brustkorb tendenziell vorne über dem Becken haben, damit wir nicht mit der Brust nach hinten ausweichen. Mehr ist es nun auch hier nicht. Das heißt, wir müssen uns nicht an den Partner anlehnen.

    Die Füße

    Die Füße stehen genau voreinander, auf zwei Spuren (eine rechts, eine links). Bemerke auch hier den Unterschied zu den Standardtänzen, wo die Füße versetzt stehen. Falls du Standard-Erfahrung hast, braucht diese Umgewöhnung deine Aufmerksamkeit. Es ist etwa eine Fußbreite Abstand zwischen seinen und ihren Füßen. Deine eigenen Innenknöchel berühren sich oder berühren sich fast.

    Gemeinsam zu einem Tier mit vier Beinen

    Jetzt seid ihr bereit, euren Partner eure Achse spüren zu lassen durch Aufrichtung, Expansion und Kontraktion. Ihr seid gemeinsam zu einem Tier mit vier Beinen gewachsen 😊

    Übliche Stolpersteine

    Hintenbleiben mit dem Oberkörper oder den Armen

    Oft denken wir, wir würden nach vorne streben, obwohl wir’s nicht tun. Diese Haltung und dass man sich so nah kommt, ist vollkommen neu für die meisten von uns. Die automatische Reaktion ist normalerweise, dass wir uns möglichst schnell wieder verabschieden wollen. Das ist an sich kein Fehler, sondern unser gut trainierter Anstand und ein Sicherheitsbedürfnis. Hier üben wir jetzt, buchstäblich Schritt für Schritt, in dieser spezifischen Situation mit ganz klaren Regeln, Nähe zuzulassen. Es ist normal, dass das eine Weile dauern kann! Ein Spiegel kann helfen, Selbstwahrnehmung zu trainieren. Hol dir auch wiederholt das Feedback von deinem Tanzpartner dazu ab. Und gib dir Zeit.

    Ausweichen mit dem Brustbein

    Ausweichen mit dem Brustbein zu deiner Linken, am Partner vorbei, statt auf die Mitte des Partners ausgerichtet zu bleiben. Erinnere dich, dass du ZUR Achse in der Mitte des Partners willst, nicht höflich um ihn herum. Es ist, als ob sich jede Zelle in deinem Körper lang macht, um eine direkte Verbindung herzustellen vom Fußboden zur Achse deines Partners. Wenn ihr in der Umarmung seid, löst idealerweise jede Bewegung deinerseits eine Bewegung beim Partner aus und umgekehrt, falls die Bewegung auf die Achse des Partners gerichtet war.

    „Klammern“ und „Wedeln“

    „Klammern“ mit der geschlossenen Seite und „Wedeln“ mit der offenen Seite der Umarmung. Alle Gelenke im Körper haben zwei Funktionen: Stabilität und Mobilität. Unsere linke und rechte Seite der Umarmung sind auch Gelenke. Die geschlossene Seite der Umarmung ist bereits sehr stabil, dort müssen wir also vor allem darauf achten, dass wir mobil bleiben, sprich: Wir brauchen Gleiten und Freiheit, ohne den Kontakt zu verlieren. Die Gefahr hier ist, dass wir uns unbewusst festklammern. Die offene Seite der Umarmung ist bereits sehr mobil. Hier besteht die Gefahr, dass wir den Kontakt und die Stabilität durch zu große Bewegungen und Mobilität verlieren. Also vergiss nicht: Hand in der Mitte, W-Form, Ellbogen vor den Rippen, Hand höchstens auf Schulterhöhe. Du merkst: Hier ist genug Material für mehrere Übungen 😊.