Tango lernen · Lektion 1
Deine Achse
Die Haltung
Beginne mit deinen Füßen
Spüre den Boden unter dir und nimm wahr, wie du auf ihm stehst.
Dein Standbein
Spüre nun dein Standbein. Nimm wahr, wo genau dein Gewicht im Fuß ankommt: eher vorne oder hinten, eher auf der Innen- oder Außenseite. Verändere daran zunächst nichts. Spüre einfach, wo du tatsächlich stehst.
Kreise beschreiben
Nun beschreibe mit deinem ganzen Körper horizontale Kreise, während du auf dem einen Fuß stehen bleibst. Lass diese Kreise immer kleiner werden und spüre dabei, wo das Lot deiner Achse in deinem Fuß auf den Boden trifft.
Lass die Kreise immer kleiner werden und zentriere sie schließlich im vorderen, inneren Bereich deines Fußes: relativ mittig, aber ein bisschen vorne und ein bisschen innen.
Die Säule
Spüre nun den Standfuß, zentriert darüber das Becken, darüber den Brustkorb und den Kopf. Sie bilden eine lebendige, aufrechte Säule.
Nutze die Vorteile innerer Vorstellungen. Stellst du dir vor, dass diese Säule von einem unsichtbaren Faden nach oben gehalten wird, der deinen Hinterkopf hochzieht, aktivierst du automatisch die gesunde tiefe Rückenmuskulatur. Oder nutze dasselbe Bild wie Jonathan Saavedra, Weltmeister im Tango Salón 2015: Stell dir vor, du seist eine Katze, die von ihrer Mutter am Nacken gepackt und hochgezogen wird. Es hat Jonathan geholfen, den Kopf beim Tanz aufrecht zu tragen.
Gleichzeitig strebt dein Steißbein nach unten.
Kontaktbereitschaft und Expansion
Mit deinen Händen und deinem Rumpf, besonders mit deinem Brustkorb, bist du bereit, Kontakt aufzunehmen. Du strahlst diese Bereitschaft nach außen aus. Es entsteht eine Expansion.
Du bist verantwortlich für das Aufbauen deiner Achse, nicht dein Partner. Dieses Aufbauen der Achse ist mehr als sich gemittet hinzustellen.
Mit dieser Haltung und diesem Aufbau zeigst du deine Identität und Persönlichkeit und bist bereit für Kontakt auf der Tanzfläche.
Das bedeutet nicht, dass du dich dafür aufspielen sollst wie ein Gockel oder eine Diva, und es soll sich auch nicht unangenehm verspannt anfühlen. Deine Achse darf klar und präsent sein, ohne dass du dich größer machen musst, als du bist.
Spürst du eine vertikale Ausdehnung nach oben und unten? Wenn nicht, kannst du sie dir vorstellen 😊 – das reicht für diese Zwecke. Auch auf der horizontalen Ebene machen wir nun Kontakt.
Schultern, Arme und Atmung
Lass deine Schultern sinken. Die Schulterblätter haben über den Rücken eine natürliche Verbindung zum Beckenkamm (die Knochen hinten unten an deinem Rücken) – „aktiviere“ diese, und lass die Schulterblätter leicht nach hinten unten ziehen.
Oberarme fühlen sich am freiesten in einer leichten Außenrotation. Stell dir dazu vor, du trägst einen großen Ball auf deinen Armen.
Falls du dich jetzt fühlst wie ein aufgeblasener Ballon, fehlt nur noch der An-Knopf: die Atmung! Nutze deine Ein- und Ausatmung, um die Achse zu beleben: Es entsteht Ausdehnung und Kompression, Streckung und Entspannung. Die Atmung bringt uns dann auch in die ersten Schritte – aber zuerst gilt es noch, die üblichen Probleme beim Aufbau der Achse anzusehen.
Was du beim Aufbau der Achse vermeidest
Drei Dinge schleichen sich immer wieder ein. Wenn du sie kennst, fällt dir das Aufrichten leichter.
Der Oberkörper kippt nach hinten.
Viele lehnen sich beim „Geradestehen“ leicht zurück – es fühlt sich aufrecht an, ist es aber nicht. Das Gewicht rutscht in die Fersen, die Linie vom Scheitel zum Steißbein knickt, und dein Brustkorb zieht sich zurück, statt Kontakt anzubieten.
Erinnere dich hier daran, worum es geht: Wir weichen dem Kontakt mit dem Partner nicht aus – wir streben ihm entgegen. Gerade weil das Ziel ist, sich zu einem Paar zu verbinden, dürfen wir uns nicht scheu machen. Es gibt klare Regeln, und der Kontakt ist weder sexuell noch erotisch gemeint. Wir dürfen uns öffnen. Dieser Gedanke wird dir im Tango immer wieder begegnen und ist essenziell für gute Technik. Also: nicht wegkippen, sondern zuwenden.
Der Kopf senkt sich, der Blick fällt zu Boden.
Der Klassiker: nach unten schauen, um die eigenen Füße zu kontrollieren. Dabei rundet sich der Nacken, der Brustkorb sinkt ein, und die Ausstrahlung nach außen erlischt.
Im Tango spürst du den Boden durch die Füße – du schaust ihn nicht an. Der Blick ist einfach weich, oder die Augen sind geschlossen. Vertrau deinen Füßen.
Die „Salsa-Hüfte“ schert aus.
Eine Hüfte schiebt sich zur Seite raus – eine Gewohnheit aus anderen Tänzen oder vom lässigen Herumstehen. Damit verlässt deine Achse den Standfuß, das Gewicht wandert an die Fußaußenkante, und aus der stabilen Säule wird ein S-Stapel: Becken über Standfuß, Brustkorb über Becken.
Die Hüfte des freien Beins sinkt nach unten, nicht zur Seite.